Dekotrends für Herbst und Winter werden im Januar veröffentlicht. Brauchbar werden sie im August – wenn die Abende früher dunkel werden und die Wohnung von der Durchgangsstation zum Aufenthaltsort wird.
Ein guter Zeitpunkt also, um zu prüfen, was von den Trends dieses Jahres tatsächlich trägt. Und was sich mit ein paar Accessoires umsetzen lässt, ohne den halben Raum neu zu kaufen.
Der Farbton, über den alle reden: Cloud Dancer
Pantone hat für 2026 ein sehr helles Off-White zur Farbe des Jahres erklärt: Cloud Dancer, PANTONE 11-4201. Beschrieben wird es als ruhiges, luftiges Weiß. Das klingt zunächst unspektakulär, ist praktisch aber die interessanteste Wahl seit Langem. Ein solches Weiß ist keine Konkurrenz, sondern eine Bühne. Es lässt Strukturen sprechen. Für die Umsetzung heißt das: Setz es dort ein, wo Oberfläche zu sehen ist. Eine ungefärbte Wolldecke, eine grob gewebte Kissenhülle, eine matte Keramikvase. Auf glatten, glänzenden Flächen wirkt dasselbe Weiß dagegen schnell leer. Ein Hinweis, der im Herbst zählt: Weißtöne unterscheiden sich bei Tageslicht kaum, bei Lampenlicht dagegen sehr. Wenn du im Winter viel mit warmem Kunstlicht arbeitest, sieh dir Textilien und Keramik einmal abends an, bevor du dich festlegst.
Warme, satte Farben – und diesmal wirklich satt
Bei den Farben zeigt sich in dieser Saison ein deutliches Bild: Es wird farbiger, und zwar in der warmen Hälfte des Spektrums. Gefragt sind vor allem Brauntöne von hellem Kakao bis zu tiefem Schokoladenbraun, gedämpfte Grüntöne wie Moos und Olive, Pflaume als Ton zwischen Violett und Braun, Buttergelb, Terrakotta- und Orangenuancen sowie mineralisch wirkende Lehmfarben. Das ist eine gute Nachricht für den Herbst, weil sich diese Palette fast von selbst mit der Jahreszeit verträgt. So setzt du sie ein, ohne dich festzulegen: Wähl einen dieser Töne als Leitfarbe und bring ihn dreimal in den Raum, jedes Mal in einem anderen Material. Ein Kissen aus Wolle, eine Vase aus Keramik, eine Kerze aus Wachs. Dreimal reicht, damit das Auge einen Zusammenhang liest. Fünfmal wird es zum Thema. Terrakotta ist dabei der zugänglichste Einstieg, weil das Material die Farbe schon mitbringt. Unter den Vasen aus Terrakotta und Keramik funktionieren die handgefertigten Modelle von HKliving – etwa Bulb und Tube – auch ohne Blumen als Objektgruppe. Für Grün- und Pflaumentöne sind Textilien der einfachere Weg. Kissenhüllen und Decken lassen sich saisonal wechseln und binden im Winter kein Kapital.
Handgemachtes Glas mit sichtbaren Spuren
Ein Trend, der sich schon länger abzeichnet und in dieser Saison deutlich stärker auftritt: Glasobjekte, denen man die Fertigung ansieht. Kleine Luftblasen im Material, ein Rand, der nicht exakt waagerecht verläuft, eine Form, die minimal aus der Achse kippt. Das passt aus einem einfachen Grund gut in die dunkle Jahreszeit. Solches Glas bricht Licht anders als maschinell perfektes – bei Kerzenschein entstehen Reflexe statt gleichmäßiger Spiegelung. Im Sortiment findet sich das an mehreren Stellen. House Doctor führt unter den Gläsern mundgeblasene Trink- und Weingläser der Serie Sand, HKliving die mundgeblasene Mochi Glas-Vase, Remember das mundgeblasene Lys Windlicht mit Color-Blocking. Wer den Effekt maximieren will, stellt zwei oder drei solcher Objekte in eine Gruppe und dahinter eine Lichtquelle – eine Kerze oder eine niedrige Leuchte.
Metallglanz, vor allem Chrom
Parallel zu den warmen Farben kommt der Glanz zurück. Verchromte und polierte Oberflächen tauchen in dieser Saison spürbar häufiger auf, und im Herbst spielt das Material seine eigentliche Stärke aus: Es macht das wenige Tageslicht sichtbar, das noch da ist. Für den Winter ist besonders die Kombination mit Kerzenlicht interessant. Auf einer verchromten Oberfläche bleibt eine Flamme nicht stehen – sie wandert, bricht, verdoppelt sich. Ein Kerzenhalter aus Metall leistet an einem dunklen Nachmittag mehr als drei zusätzliche Deko-Objekte. Wie sich Chrom mit Holz, Textilien und Farbe kombinieren lässt, ohne dass ein Raum kalt wirkt, haben wir in „Chrom-Deko im Wohnzimmer“ ausführlich behandelt. Dort stehen auch die Dosierungsregeln, die hier zu weit führen würden.
Weiche, runde Formen
Kantiges tritt zurück. Zu sehen ist eine Bewegung hin zu organischen, ausladenden Silhouetten – runde Sofas, geschwungene Konturen, Objekte ohne harte Kanten. Bei Möbeln ist das eine größere Entscheidung. Bei Deko ist es eine kleine, und der Effekt ist trotzdem spürbar. Konkret heißt das: bauchige statt zylindrische Vasen, runde statt eckige Tabletts, weiche Kissenformen, geschwungene Kerzenhalter. Wenn dein Raum viele gerade Linien hat – Regale, Fensterrahmen, ein rechteckiger Esstisch –, sind runde Objekte der schnellste Weg zu mehr Ruhe. Eine Beobachtung aus der Praxis: Ein einziges rundes, größeres Objekt in einem sehr geraden Raum wirkt stärker als fünf kleine.
Textur schlägt Muster
Wenn es einen roten Faden durch alle Trends dieses Jahres gibt, dann diesen: Es geht um Oberflächen, die man anfassen möchte. Bouclé mit seiner Schlingenstruktur, Samt mit seinem tiefen Flor, Mohair, grobe Wolle, geflochtene Naturmaterialien. Diese Stoffe machen im Herbst mehr aus als jede Farbentscheidung, weil sie Licht schlucken statt zu reflektieren und dadurch Wärme erzeugen. Bei den Decken und Plaids lohnt in dieser Jahreszeit der Blick auf Wolle und Mohair-Optik. Elvang Denmark arbeitet mit Wolldecken, Lexington führt Mohair-Mix-Modelle, David Fussenegger und Biederlack haben Plaids in Mohair-Optik. Bei den Kissenhüllen sind Samt und Bouclé die beiden Strukturen, die am schnellsten Wirkung zeigen – Pichler etwa mit der Samt-Kissenhülle TARTUFO. Der wirksamste Einzeltipp für den Herbst: drei verschiedene Texturen auf einer Sitzgelegenheit. Ein glattes Kissen, ein strukturiertes Kissen, eine Wolldecke. Mehr braucht ein Sofa nicht, um im Oktober anders auszusehen als im Juli.
💡Lisas Empfehlungen aus dem Sortiment
Wenn ich im Herbst eine Leitfarbe setze, nehme ich Braun. Das Brown Velvet Kissen von HKliving ist dafür mein Ausgangspunkt. Samt schluckt Licht in der Tiefe des Flors, und genau das erzeugt an dunklen Nachmittagen eine Wärme, die keine Farbe allein hinbekommt.
Dazu empfehle ich euch die Classic Lambswool Decke von Zoeppritz. Wolle ist die zweite Textur, die auf jedem Sofa sofort etwas verändert. Kissen und Decke zusammen ergeben schon zwei der drei Lagen, die eine Sitzgelegenheit im Oktober braucht. Die Solai Vase von Broste Copenhagen bringt die Farbe in ein drittes Material. Sie ist aus farbigem Glas gefertigt, und das macht sie in dieser Jahreszeit besonders interessant: Farbiges Glas gibt Licht anders zurück als Keramik. An einem dunklen Nachmittag entsteht daraus ein Lichtspiel statt einer glatten Fläche.Und weil im Herbst kaum noch etwas Frisches im Garten steht, kommt bei mir der Eucalyptus Kunstzweig von House Doctor hinein. Die Vase ist ohnehin für einzelne Zweige und kleine Sträuße gemacht, und die gestaffelten Blätter in warmem Braun sehen im Februar noch genauso aus wie im Oktober. Vier Stücke, eine Farbfamilie, drei Materialien. Mehr braucht ein Wohnzimmer nicht, um sich im Oktober anders anzufühlen als im Juli.
Lisa B., Category Management bei AMBIENDO
Farbiges Geschirr und getöntes Glas auf dem Tisch
Der gedeckte Tisch wird bunter. Leuchtendes Porzellan und getöntes Glas sind in dieser Saison deutlich präsenter – ein Gegenentwurf zum durchgängig weißen Gedeck der letzten Jahre. Das ist gerade für die kommende Saison praktisch, weil Weihnachtstische und Winterabende ohnehin nach etwas mehr Farbe verlangen. Der ruhigste Weg dorthin führt über die Ergänzung statt den Austausch. Behalte das Grundgeschirr und setz die Farbe über Gläser, Servierschalen, Servietten oder Untersetzer. Ein Satz getönter Gläser verändert einen Tisch stärker als ein neues Teller-Set – und kostet einen Bruchteil. Wenn du das Geschirr doch farbig willst, dann lieber in einem gedeckten, satten Ton als in einem hellen Pastell. Satte Töne vertragen sich über Jahre mit wechselnder Tischwäsche. Mehr dazu steht in unserem Beitrag „Geschirr-Trends 2025/26“.
Schichten statt Einzelstücke
Räume in Lagen aufzubauen – Textilien über Textilien, Deko in Gruppen, Licht auf mehreren Ebenen – ist weniger ein Trend als eine Methode. Und sie ist der Grund, warum manche Wohnzimmer im Winter gemütlich wirken und andere nur voll. Der Unterschied liegt in der Wiederholung. Wenn dieselbe Farbe oder dasselbe Material in mehreren Lagen vorkommt, entsteht Tiefe. Wenn jede Lage etwas Neues einführt, entsteht Unruhe. Wie das praktisch aussieht, haben wir in „The Art of Layering“ Schicht für Schicht beschrieben.